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  • Illegalität und Ausbeutung: Pflegende aus Osteuropa wehren sich
    Im Westen, auch in der Schweiz, lassen sich alte Menschen von Polinnen zu tiefen Löhnen pflegen. In Polen wiederum springen Ukrainerinnen in die Bresche: Unter prekären Bedingungen pflegen sie alte Polinnen und Polen. Die Frauen aus dem Osten wollen sich nicht länger ausnutzen lassen. Über Vermittlungsagenturen kann man sie «bestellen»: Osteuropäerinnen, die im Westen alte Menschen zu Hause pflegen. Sie verdienen wenig, arbeiten fast rund um die Uhr. Das zeigt auch der Fall einer Polin, die in einem Dorf bei Bern eine alte Frau pflegt: Sie muss darum kämpfen, dass ihr die zahlreichen Überstunden bezahlt werden. Sie wird geplagt vom Heimweh und sorgt sich um Mutter und Grossmutter, die sie in Polen zurücklassen musste. Die Polinnen, die im Westen pflegen, können ihrer Familie in Polen zwar ein besseres Leben finanzieren. Aber sie können nicht ihre eigenen Eltern und Grosseltern pflegen – in einem Land, in dem sich der Staat wenig um die Alten kümmert, in dem die Pflege als Privatsache gilt. In die Bresche springen Ukrainerinnen. Obwohl die Pflege in Polen ohne sie zusammenbrechen würde, arbeiten sie in der Illegalität, zu sehr niedrigen Löhnen. Die Frauen sind Demütigungen und Misshandlungen ausgesetzt. Jede fünfte Ukrainerin und jeder fünfte Ukrainer lebt im Ausland. In ärmlichen Dörfen wir Oriv ist das Geld, das die Frauen in Polen verdienen, bitter nötig. Die eigenen Eltern müssen sie sich selbst überlassen: In der Ukraine kümmert sich häufig niemand um die alten Menschen. Viele Osteuropäerinnen haben Angst, sich für bessere Arbeitsbedingungen einzusetzen. Doch einige wollen sich nicht mehr ausnützen lassen. Die Frauen, Ukrainerinnen und Polinnen, haben angefangen, sich zu wehren. In dieser Sendung, in der wir von der Schweiz über Polen bis in die Ukraine reisen, kommen fast ausschliesslich diese kämpferischen Frauen zu Wort.
    1/8/2022
    27:43
  • Best of International: Indigene in Kanada - Trauma ohne Ende
    Die «Residential Schools» haben in Kanada ganze Generationen von indigenen Kindern traumatisiert. Tausende haben die Internate, die von den Kirchen geführt wurden, nicht überlebt. Die Folgen für die «First Nations» sind gravierend. Der Schock war gross, als im vergangenen Jahr in Kanada viele hunderte Kindergräber entdeckt wurden, rund um ehemalige «Residential Schools». Die Funde zwangen Kanada dazu, sich einmal mehr einem düsteren Kapitel der Vergangenheit zu stellen. Rund 150'000 indigene Kinder mussten die Internate besuchen. Sie stammten aus allen indigenen Volksgruppen: First Nations, Métis und Inuit. Die Schulen waren eigentliche Umerziehungslager, mit dem Ziel «den Indianer im Kind zu töten». An den Schulen waren körperliche und psychische Gewalt an der Tagesordnung, ebenso sexueller Missbrauch. Die meisten Schulen wurden von der katholischen Kirche betrieben. Bei den Überlebenden der Schulen blieb ein schweres Trauma zurück, das wie ein Schatten über den abgelegenen Reservaten der First Nations liegt. Dort leben die Indigenen unter teils prekären Bedingungen: in zu kleinen Häusern, ohne sauberes Trinkwasser, mit schlechter Gesundheitsversorgung. Suizide, gerade unter Jugendlichen, sind weit verbreitet. Und das Unrecht der Residential Schools lebt in anderer Form weiter: Überdurchschnittlich häufig nimmt der Staat indigene Kinder den Eltern weg. Jugendliche, die in den Reservaten leben, sind benachteiligt: Wer eine High School besuchen will, muss die abgelegene, kleine First Nation verlassen, um in einer fremden Stadt wie Thunder Bay eine Schule zu besuchen. Dort sind die indigenen Teenager intensivem Rassismus ausgesetzt und laufen Gefahr, Opfer eines Gewaltverbrechens zu werden. Die Reportage aus der kanadischen Provinz Ontario zeigt, wie das Trauma der Residential Schools nachwirkt und wie weit Kanadas Weg zur «Reconciliation», zur Versöhnung mit den Indigenen noch ist. Erstausstrahlung: 30. Oktober 2021
    12/31/2021
    28:14
  • Somalia – Leben im «gescheiterten» Staat
    Somalia gilt als «gescheiterter» Staat, grosse Teile sind der Dschihadistenmiliz Al-Shabaab überlassen. Aber auch die grösste Friedensmission der Welt ist in dem ostafrikanischen Land aktiv - und einheimische Unternehmerinnen und Unternehmer engagieren sich für eine bessere Zukunft. «Failed state», gescheiterter Staat, so wird ein Staat bezeichnet, der seine grundlegenden Funktionen nicht erfüllen kann - Funktionen wie Sicherheit, Bildung oder Gesundheit. Das hat Folgen. In Somalia stirbt jedes achte Kind vor seinem fünften Geburtstag, kaum sonst wo auf der Welt ist die Müttersterblichkeit derart hoch, nirgendwo gehen weniger Kinder zur Schule. Nach Ausbruch des Bürgerkriegs vor 30 Jahren galt Somalia während Jahren als regierungslos. Heute hat das Land wieder eine provisorische Verfassung und eine Zentralregierung, doch die dschihadistische Terrorgruppe Al-Shabaab beherrscht weite Teile des Landes, verübt regelmässig Bombenanschläge und behindert den Aufbau eines Staates. Wer springt in die Bresche, wenn der Staat nicht existiert? Wir besuchen Menschen, die Somalia zusammenzuhalten versuchen, wie Abdinasir Ali Mohamed. Er hat trotz Terrorgefahr in Mogadischu eine der besten Schulen des Landes aufgebaut. Ein ehemaliger Gefolgsmann von Al-Shabaab erzählt, was ihn bewog, sich der Dschihadistenmiliz anzuschliessen und wie er im Auftrag von Al-Shabaab Steuern eintrieb. Und wir gehen auf Patrouille mit der grössten Friedensmission der Welt, der AMISOM.
    12/18/2021
    28:45
  • Niederlande - Es wird eng auf der Nordsee
    Bisher förderten die Niederlande im grossen Stil Gas. Jetzt aber planen sie die Energiewende und bauen riesige Windparks in der Nordsee. Schon bald wird ein grosser Teil des Meeres vor der niederländischen Küste voller Windturbinen sein. Die tiefgreifende Veränderung weckt Ängste und Hoffnungen. Bis im Jahr 2050 will die Regierung in Den Haag 30 bis 40 Prozent der Stromnachfrage mit Windenergie decken. Rund ein Viertel der niederländischen Kontinentalplatte soll zu diesem Zweck mit Windparks voll gebaut werden. Weil die Nordsee weiter draussen vor der Küste einer Autobahn von Frachtschiffen gleicht, werden die Windparks nur rund 20 Kilometer vom Ufer entfernt gebaut. Das weckt den Widerstand der Küstenbewohnerinnen und -bewohner, die um ihre freie Sicht aufs Meer fürchten. Und die Fischer sind aufgebracht, weil sie in den Windparks künftig nicht mehr fischen dürfen. Die Umwelt-Organisationen dagegen sind hin und her gerissen. Zum einen stellen die Windparks einen tiefen Eingriff ins Ökosystem dar, zum andern eröffnen sie neue Möglichkeiten für die Natur.
    12/11/2021
    27:48
  • Die Bootsflüchtlinge und der Streit am Ärmelkanal
    Mit dem Brexit wollte Grossbritannien die volle Kontrolle über die Einwanderung zurückerlangen. Aber ausgerechnet seit dem EU-Austritt kommen immer mehr Flüchtlinge in überfüllten Booten übers Meer. Jetzt liegt London im Streit mit Paris. Früher schmuggelten sich die Flüchtlinge in Containern und Güterzügen durch den Kanaltunnel. Jetzt aber kommen sie immer mehr übers Meer. Im Ärmelkanal drohen die überfüllten Boote in Seenot zu geraten oder gar überfahren zu werden von einem der unzähligen Schiffe auf der stark befahrenen Route. Ein Unglück im November hat verdeutlicht, wie gefährlich die Überfahrt ist: 27 Menschen starben, als ein Boot gekentert war. Grossbritannien bezahlt an Frankreich grosse Summen, damit dessen Polizei die Flüchtlinge an der Überfahrt hindert. Warum gelingt ihr das nicht? Oder hat London recht, wenn es Paris vorwirft, es strenge sich nicht genug an? Warum ist die französische Polizei machtlos gegenüber den Schleppern? Und wer überhaupt sind die Flüchtlinge auf den Booten – und weshalb wollen sie unbedingt nach Grossbritannien? Die Reportage von beiden Ufern des Ärmelkanals liefert Antworten.
    12/4/2021
    27:00

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